Hundekot anzeigen lassen: Alternative zum Kot fressen

Angie hatte mit ca. 7 Monaten (so gegen Ende 2011) eine unschöne Angewohntheit entwickelt: Katzen- und Hundekot suchen und fressen. Prinizipell eher nicht das Problem, doch stellt Kot eine Infektionsquelle mit Würmern aller Art dar und oftmals ist Kot auch mit Schimmelsporen kontaminiert.
Angie reagiert zudem auf irgendwelche Inhaltsstoffe des Kots allergisch. Sie bekommt häufig nach dem Fressen starken Juckreiz, ab und zu auch Durchfall und hat sich auch schon oft mit Würmern und Kokzidien (vom Hühnerkot) angesteckt. Teilweise hat sie bis zu fünf Haufen teilweise oder komplett pro Spaziergang gefressen.

Angie ca. 7 Monate jung

Angie ca. 7 Monate jung

Ganz ehrlich: Diese Angewohnheit hat uns wahnsinnig viel Nerven und Selbstkontrolle gefordert.

Wir haben so viel versucht

Anfangs haben wir mit allen Arten der Unterbrechung versucht weiter zu kommen. Wegziehen, schimpfen, den Haufen wieder aus dem Maul rausholen, Tausch mit Futter usw. Weil wirklich NICHTS davon funktioniert hat, sondern es im Grunde nur schlimmer wurde, habe ich dann einen Maulkorb gekauft, wo wir das Haufen fressen ein wenig reduzieren konnten. Aber auch damit unterließ Angie die Kotsuche nicht. Sie konnte zwar keinen festen Kot mehr aufnehmen, suchte dafür nun vermehrt weichen Kot, den sie problemlos durch den Maulkorb auflecken konnte.

Angie mit Maulkorb

Angie mit Maulkorb

Ich weiß noch genau wie extrem wütend ist auf diesen blöden Köter war. 😉 Dieses ständige Gejucke sollte endlich aufhören und auch der häufige Wurmbefall war einfach nervig. Wir waren irgendwann an dem Punkt wo wir keinen Ausweg mehr sahen, weil nix half und wir die Ursache dafür auch nicht wussten.

Eine Trainerin musste her

Im März 2012 stand fest: Eine Trainerin musste her. So konnte es einfach nicht weitergehen. Da wir uns mittlerweile auch mehr in Richtung Erziehung mit positiver Verstärkung orientieren, suchten wir ganz gezielt nach einem Trainer, welcher die Anforderungen erfüllte. Wir fanden in unserer Nähe die Ulrike Seumel von DogItRight.

Als Ulrike dann zu uns kam, lernten wir sehr viel von ihr. Anfänglich verfolgten wir den Weg, das Angie vom Hundekot abgerufen werden sollte, aber das funktionierte nur sehr schwer. Um das Training noch mal zu überdenken, kam Ulrike im Dezember 2012 erneut zu uns. Sie hatte einen neuen Trainingsansatz dabei.

Der richtige Trainingsansatz

Ganz ehrlich, als Ulrike den Trainingsansatz vorschlug lief es mir kalt den Rücken runter: Das Suchen und Finden von Kot mit dem Clicker markieren und mit Futter belohnen, sodass Angie beim Suchen nicht mehr in so einen „Rausch“ verfällt, sondern ansprechbar bleibt und wir dann nach dem Finden ein Alternativverhalten abrufen können.
Wir sollten ernsthaft das für mich mittlerweile sooo negative Verhalten bestärken und belohnen? Solche Fragen wie „Wird sie dann nicht mehr Kot suchen und fressen?“ kamen mir in den Kopf und am Ende wusste ich, dass die Antwort „Nein“ lautete, aber dennoch fiel mir dieser Trainingsweg unglaublich schwer. Ich bin hier sehr froh, dass mein Mann den Hauptteil des Trainings übernahm.

Der Futterbeutel wurde reichlich gefüllt und jeden Tag markierte mein Mann nun das Kot finden positiv und es gab Futter für Angie. Zu aller erst wurde direkt neben dem Haufen als Belohnung jede Menge Futter hin gelegt und danach legten wir noch eine kleine Futterspur vom Haufen weg, sodass Angie nicht gleich wieder hinrennen konnte. Natürlich wollte die in der Anfangszeit nach dem Auffressen des Futters gleich wieder zum Haufen hin, aber hier hatten wir eine Hilfe mit der intermediären Brücke und dem Weiter gehen-Signal. Nach dem Fressen kam ein „Weiter“, die IB ging an und Angie kam häufig schnell mit. Wir markieren das Mitkommen und warfen ein Futterbröckchen in die gewünschte Laufrichtung (siehe Videos unten). Das hat bei ihr gut funktioniert. Natürlich wurde in dieser Trainingsphase noch der ein oder andere Haufen verspeist.

Zusätzlich wurde uns ans Herz gelegt, den eigentlichen Auslöser des Kotfressens, nämlich Frust, zu vermeiden. So lernten wir auch genauer hin zu schauen in welchen Situationen der Angie Frust entwicklt(e).

Kratzen als Anzeigeverhalten

Nach ein, zwei Monaten täglichen Trainings machen wir natürlich die ersten Fortschritte. Angie war nicht mehr so abwesend und sie erwartete beim Finden schon einen Klick. Genau das was wir wollten, war jetzt erreicht! Wir waren super optimistisch und überlegten uns nun ein optimales Anzeigeverhalten. Hat man nämlich in den Sekunden der Erwartungshaltung „Wo bleibt mein Klick?“ von Angie nicht reagiert, weil man eventuell nicht damit rechnete, dass Sie was gefunden hat, so hat sie den Kot dennoch gefressen.

Hundespuren im Schnee

Hundespuren im Schnee

Der Winter kam uns da zu Hilfe: Bei Schnee und Eis waren natürlich auch die Hundehaufen eingeschneit oder gefroren und Angie buddelte diese dann häufig mit einem schönen Pfotenwink aus. Ich kam dann auf die Idee das dieses Verhalten doch eigentlich ein super Anzeigeverhalten wäre, denn ich dachte mir: Lieber Kot an der Pfote als im Bauch. 😉 Wir markierten also hauptsächlich nur noch das Kot freibuddeln mit der Pfote.

Große Trainingsfortschritte

Bei Angie wurde im November/Dezember 2012 eine Schilddrüsenunterfunktion festgestellt.  Gleichzeitig mit dem Training wurde die Behandlung begonnen. Sie bekommt seitdem täglich zwei Tabletten mit den fehlenden Schilddrüsenhormonen. Seitdem die Tabletten auf Angie benötigte Dosis eingestellt sind, verzeichnen wir deutliche Trainingsfortschritte. Die Einschränkungen, welche die Unterfunktion mit sich bringt, hat sie wahrscheinlich am Lernen gehindert.

Dalmatiner Angie

Dalmatiner Angie

Nach und nach zeigte sie das Kratzverhalten nicht mehr nur im Schnee, sondern auch im Frühjahr 2013 auf der Wiese. Sie hatte da also verstanden was sie machen soll, das Verhalten musste nun nur noch generalisiert werden.

Mein Mann hatte mittlerweile angefangen Angie nach Click für das Finden mit der angekündigten Belohnung „Futter“ zu sich zu rufen und das ging erstaunlicherweise sehr, sehr gut. Sie kam freudestrahlend an und holte sich ihr Futter ab und es gab häufig nur Käse, Gurke oder ab und zu mal Trockenfleisch. Da wussten wir, dass es Angie gar nicht um den „Geschmack“ vom Kot ging, sondern das Verhalten mit einer anderen Motivation verknüpft war: Suchen -> Finden -> Fressen. Unsere Trainerin war mit dem Trainingserfolg zufrieden und wir natürlich auch. 😉

Anzeigeverhalten zu 98% zuverlässig

Mittlerweile ist Angie ein kleiner Anzeigeprofi geworden. 😉 Sie zeigt zu 98% zuverlässig Kot an, macht es sogar auf Signal „Zeig’s mir“, wenn es ihr an einem Haufen schwerer fallen sollte und sie mal das gelernte Verhalten nicht gleich abrufen kann. Reagieren wir nicht sofort auf das erste Kratzen, weil wir es eventuell nicht sehen, frisst sie nicht mehr sofort den Kot sondern sucht Blickkontakt zu uns oder kratzt mehrmals. Das ist äußerst süß. Wir erkennen mittlerweile schon am Verhalten von ihr, ob sie uns was zeigen möchte.

Angie hat schon seit Monaten(!!) keinen Kot mehr gefressen. Fairerweise muss ich allerdings auch erwähnen, falls Angie bei den restlichen 2% den Kot doch mal aus irgendwelchen Gründen ins Maul nimmt, gibt es ein „Aus“ oder eventuell auch mal ein „Hey!“ (manchmal ist man doch recht überrascht über das Aufnehmen), dann lässt sie den Kot fallen und bekommt eine Belohnung dafür. Das ist mittlerweile allerdings recht selten geworden.

Letztens hat Angie uns Toastbrot und Mini-Roster bei einer „wilden Grillstelle“ im Wald angezeigt. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie platt wir waren. Früher wäre das Futter innerhalb weniger Sekunden inhaliert gewesen. 😉 Natürlich gab es dann viel Lob und feinen Joghurt als Belohnung. Angie war voller Begeisterung dabei, als wir dann mit ihr den Müll zusammen gelesen haben und sie alle Futterstücke (und da lagen einige Bratwürste rum) suchen und anzeigen durfte … sie kann das viel besser als wir.

Natürlich darf man sich jetzt nach 1,5 Jahren Training nicht auf den Ruhm ausruhen und gar nichts mehr machen. Das Kot anzeigen gehört bei uns einfach zum Spaziergang dazu und ist auch nicht weiter störend. Übrigens ist das Interesse am Kot bei Angie deutlich gesunken. Es gibt Tage da zeigt sie gar keinen Kot an, obwohl wir an typischen Kotstellen vorbei laufen.

Ein großes Dankeschön

Ich möchte auf jeden Fall der lieben Ulli von DogItRight für ihre Trainingsvorschläge und auch ihr Verständnis für mich bedanken. Ich hatte doch arge Probleme mit dem Vorschlag und sie hat dennoch einfühlsam versucht ihn mir als richtigen Weg schmackhaft zu machen. 😉 Wie man sieht, sie hatte Recht und wir sind ihr auch sehr dankbar dafür.

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8 Antworten

  1. Finny sagt:

    Hallo,

    Danke für den tollen Artikel. Er macht uns sehr viel Hoffnung auf Besserung. Auch bei unserer Labbi-Hündin wurde ein Problem mit der Schilddrüse festgestellt. Sie leidet an einer Umwandlungsstörung und zusätzlich an diversen Allergien.

    Durch Juckreiz und Stress hat sie sich zu einem Draußenstaubsauger entwickelt mit Vorliebe Pferdeäpfel und Fallobst.

    Wir arbeiten daran auch positiv und ähnlich wie hier beschrieben. Langsam wird es besser und wir hoffen auf ein so tolles Trainingsergebnis wie ihr. Ihr könnt stolz sein.

    Grüße aus Berlin

    • Olli sagt:

      Wir wünschen euch weiter viel Erfolg … zumal wir auch wissen was das teilweise auch für den Halter für eine Belastung ist 🙂

  2. Klaus sagt:

    Herzlichen Dank für diesen sehr ausführlichen Bericht. Findet man selten das jemand so ausführlich eine Problemstellung und den Lösungsweg beschreibt.
    Interessant ist dabei natürlich das neben dem eigentlichen Hundetraining auch Körperfunktionen eine großen Einfluss auf Verhaltensänderungen haben können.
    Daher ist es für Hundetrainer sehr wichtig auch im Bereich Hundegesundheit über ausreichend Wissen zu verfügen.
    Damit wird der Beruf des Hundetrainers wieder ein bisschen komplexer. Schön das du deine passende Hundetrainerin gefunden hast.

    Viel Spass und Erfolg mit Angie

    Klaus

  3. Weiß jemand ob es einen Zusammenhang gibt zwischen Kot fressen und der Schilddrüsenubterfunktion?

    Schöner Atikel. Ich werde ihn mal an meine Kunden mit Gabriel weiter leiten. Gabriel frisst auch gerne Hundekot. Auch er hat eine Unterfunktion.

  4. Finny sagt:

    Hallo liebes Dalmi-Blog Team,

    Wir haben auch eine tolle Veränderung geschafft Dank eurem Vorbild.
    Schaut doch mal hier:

    http://finnys-alltag.jimdo.com/2014/01/15/pferdeäpfel-anzeigen/

    Grüße aus Berlin

  5. Super Bericht, absolut Genial gut Beschrieben. Schön wäre noch ein vorher-Video, damit man sich vorstellen kann wie euer spaziergang am Anfang ausgesehen hat. Obwohl du es sehr gut beschreibst! Ich möchte diesen Link gerne meinen Kunden weitergeben,habe es aber bisher immer irgendwie nicht geschafft, einmal draussen finde ich den Eingang nicht mehr. Braucht es eine spezielle Autorisierung für diesen Blog?

    • Olli sagt:

      Nein der Blog ist wie jede andere Webseite. Du brauchst bloß den Link aus der URL Zeile nehmen und deinem Kunden schicken und dann kann er das angucken.
      Es gibt kein Vorher-Nachher Video. Allerdings war das Kotfressen ein Musterbeispiel wie aversives Einwirken die Situation noch viel schlimmer gemacht hat. Immer wenn der Hund auf Kot zugesteuert ist, haben wir versucht das zu unterbrechen, sind hin gerannt, haben laut rum geschriehen, haben an der Leine versucht den Hund weg zu ziehen – alles was man so macht um den Hund davon abzuhalten den Kot zu fressen (zumal mancher Kot auch für mehr Juckreiz beim Hund gesorgt hat aus verschiedenen Gründen).
      Ergebnis war, dass der Hund lernte immer schneller den Kot zu fressen, nicht mehr wählerischer zu sein und jede Art von Kot zu fressen (also auch alten verschimmelten der ihr normalerweise überhaupt nicht „schmeckt“), unsere Körperhaltung sehr gut interpretieren konnte und die Anzeichen, dass er jetzt was interessantes in der Nase hatte immer geringer wurden. Außerdem wurde Kotfressen zu einem Ventil in Situationen mit Frust. Das bedeutete wenn der Hund Frust hatte konnte man drauf warten, dass sie sofort los ging und sich was zu fressen suchte.

  1. 11. Oktober 2013

    […] wir, dass es Angie Kothaufen wieder schlechter anzeigen kann. Obwohl sie darin mittlerweile ein echter Profi ist und das zu 98% zuverlässig kann. Wir dachten uns nichts dabei und schoben das auf die anstehende […]