Angie ein Jahr bei uns: Unsere Fehler & Erkenntnisse

Am 15.06.2011 nachmittags kam die damals 12 Wochen junge Dalmatinerhündin Angie zu uns. Sie ist mittlerweile genau ein Jahr bei uns und wir drei haben einiges zusammen erlebt. Dieser Artikel geht auf die blödesten Fehler und wichtigsten Erkenntnisse in diesem Jahr ein.

Verunsicherung durch Welpenbücher

Mein Mann und ich sind Ersthundebesitzer (ich habe zwar als Kind den Sheltie meiner Mutti betreut, aber der erste eigene Hund ist dennoch etwas anderes). Natürlich herrschte anfänglich eine große Unsicherheit – Man wollte ja alles richtig machen und das von Anfang an. Ich kaufte uns also zwei Welpenbücher mit der besten Bewertung bei Amazon und studierte sie im Expressdurchgang.

Angie 15.06.2011

Dalmatiner Angie 15.06.2011

Was da auf uns einbrasselte war schon extrem. Die Bücher schrieben ein richtig straffes Erziehungsprogramm vor, um den Welpe bestmöglich zu sozialisieren und eventuelle Ängste zu nehmen. Mehrmals wöchentlich sollte man: Bus/Zug fahren; Wochenmärkte, Bahnhöfe, Einkaufszentren besuchen; Hundekontakt mit vielen verschiedenen Hunden jeden Alters haben; verschiedene Geräuche/Untergründe/Landschaften erleben; regelmäßigen Kontakt mit fremden Menschen und Kindern. Nicht zu vergessen: Nebenbei dem Welpen noch sämliche Grundkomandos beibringen wie Leinenführigkeit, Sitz, Platz, Steh und natürlich auch Grenzen setzen und Verbote aussprechen.

Dalmatiner Angie 14 Tage bei uns

Dalmatiner Angie 14 Tage bei uns

Wie soll ein Mensch mehrmals wöchentlich das Ganze Programm schaffen? Ich fühlte mich total unter Druck gesetzt… wollten wir doch den perfekten Hund und nicht so eine unerzogene Töhle wie „Nachbar’s Waldi“.

Gescheiterte Versuche der Sozialisierung

Wir haben versucht das Ganze so gut es ging umzusetzen, sind mit Angie auf den Wochenmarkt in Döbeln, haben sie zu fremden Hunden und Menschen hingelassen, sind an fremde Orte gefahren usw. Auch Sitz, Platz und Co. ging sofort los und wurde trainiert. Ganz wichtig war für mich auch dem Welpen am ersten Tag schon zu sagen was er NICHT darf mit einem strengen NEIN – Das war wohl das anfänglich meist gesprochene Wort was Angie hörte.

Angie in der großen Stadt

Angie in der großen Stadt

Letztendlich hat der ganze Quatsch genaugenommen GAR NICHTS gebracht. Wir haben trotzdem einen sensiblen Hund, der sich ungern von anderen anfassen lässt und allgemein eher unsicher und zurückhaltend ist. Eigentlich garkein Problem, wenn man die richtigen Werkzeuge zur Gegenkonditionierung hat, aber dazu weiter unten mehr.

Im Nachhinein tut es uns leid, denn wir haben aufgrund der Bücher total vergessen, dass ein Welpe doch eigentlich auch ein Welpe sein sollte…

Getreideallergie festgestellt

Schon wenige Wochen nachdem Angie bei uns eingezogen ist, bemerkten wir immer wiederkehrenden Juckreiz und viele, kleine Pustelchen auf der Haut. Laut Tierärztin eine Futtermittelallergie.

Angie liebt Josera Kids

Angie liebt Josera Kids

Wir wechselten von BOSCH zu JOSERA, was sie anfänglich gut vertragen hat. Mittlerweile sind wir bei CANIS ALPHA angekommen, dort ist weder Getreide noch Zusatzstoffe oder künstliche Vitamine drin. Was genau Angie nicht verträgt ist noch unbekannt, es scheint jedoch eine/mehrere Getreidearten, Mais und/oder Soja zu sein. Wir meiden deshalb jedes Futter mit dieser Basis.

Aufgrund dieser Futtermittelallergie haben wir uns schon etwas intensiver mit der richtigen Hundeernährung beschäftigt und werden in nächster Zeit auf Selberkochen umsteigen.

Der liebste Welpe den es gibt

Angie war ein wirklich total lieber Welpe. Sie war nach einer Nacht stubenrein, war ruhig und kaum wild oder aufgedreht. Das Schlimmste was sie bislang getan hat, war meinen nagelneuen Turnschuhe zwei Löcher zu verpassen. Seitdem kamen die Schuhe für einige Monate aus dem Flur weg. 😉

Angie 3 Wochen bei uns

Angie 3 Wochen bei uns

Jeder mochte die kleine sympathische Tupfendame. Sie war zurückhaltend aber freundlich anderen gegenüber. Wenn wir mit ihr unterwegs waren oder Verwandte besuchten, fiel sie immer positiv auf.

Einstieg in das Clicker- & Markertraining

Einer der wichigsten Schritte die wir in diesem Jahr mit Angie getan haben, war der Einstieg in das Clicker- & Markertraining. Ich bin meinem Mann immer noch sehr dankbar, dass er sich damals für den Clicker interessiert hat und es mal ausprobieren wollte. Ich stand zugegeben der Sache sehr skeptisch gegenüber und glaubte mehr an einen neumodischen Blödsinn. 😉

Clickertraining im Alltag

Clickertraining im Alltag

Angie wurde also auf den Clicker konditioniert und erste Übungen mit dem Clicker trainiert. Sie kapierte es unglaublich schnell und es machte ihr noch mehr Spaß mit uns zu üben. Ich versuchte den Clicker bei bekannten Übungen dann selbst zu verwenden, wo mich das positive Ergebnis natürlich auch überzeugte. Wir entschlossen uns den Clicker für die ganze Erziehung zu verwenden und nicht nur für Tricks. Mittlerweile haben wir auch ein Markersignal als Wort „Click“, was ebenso super funktioniert.

Erziehung weitestgehend mit positiver Bestärkung

Wenn man sich intensiv mit dem Clicker- & Markertraining beschäftigt, kommt man unweigerlich an das Thema Erziehung weitestgehend mit positiver Bestärkung. Auch diese Entscheidung war ein super wichtiger Schritt für uns drei. Zugegeben: Der Umschwung zur dieser Erziehungsmethode war für mich ein harter Brocken und es gab bei mir auch viele Rückschläge. Habe ich doch früher unseren Sheltie mit Härte und Strafen erzogen, sollte ich nun über die Fehler hinwegsehen und erwünschtes, positives Verhalten belohnen.

"Gib Pfötchen"

„Gib Pfötchen“

Oftmals habe ich daran gezweifelt und meinem Mann die Nerven geraubt, aber nun nach einem Jahr kann ich bestätigen: Es war der richtige Weg und es funktioniert, auch wenn man als Mensch kurzzeitig den falschen Eindruck hat.

Super Erfolge mit dem Clicker- & Markertraining

Alles in Allem haben wir mit dem Clickertraining super Erfolge gemacht. Es gibt viele Situationen wo man punktgenau bestärken muss und da hilft ein Clicker oder ein Markerwort ungemein. So konnten wir z.B. auch die Leinenführigkeit und die Umorientierung an der Schleppleine sehr gut markieren und bestärken.

Leinenführigkeit mit Clicker

Leinenführigkeit mit Clicker

Da Angie wie anfangs beschrieben ein sehr sensibler und unsicherer Hund ist, gibt es immer noch Situationen wo sie Angst empfindet, z.B. wenn ein großer, klappernder LKW an ihr vorbei fährt. Dank des Clickers kann man diese Angst reduzieren und die Situation sozusagen schön clickern.

Natürlich haben wir auch beim Clickertraining teilweise kleine Fehler gemacht. Das lässt sich nicht ausschließen, wenn man ohne Trainer arbeitet, aber es ist nichts gravierendes dabei. Das meiste lässt sich mit etwas Geduld wieder umkonditionieren.

Das Kotfress-Problem

Angie fing irgendwann an sich näher für Hunde- & Katzenkot zu interessieren. Sie vernaschte den ein oder anderen Haufen und das wirklich schlimme dabei war, dass sie häufig mit Ausschlag reagierte. Genau dieses Allergieproblem war auch der Ausgang für unser völlig falsches Verhalten: Wir wollten das Fressen verhindern (vorallem ich ;)). Mehrere Monate lang zogen wir sie ruckartig von den Haufen weg oder holten den Haufen aus dem Maul wieder heraus. Dieses Verhalten von uns war so falsch, dass wir auch umgehend die Quittung dafür bekamen. Angie verspeiste bis zu drei Haufen beim Spaziergang und war öfters nur noch auf der Suche danach. Sie hat auch die Suche selbst verfeinert, sodass wir an ihrer Körperhaltung nicht mehr erkennen konnten, ob sie etwas gewittert hat oder nicht.

Als Folge des Kotfressens hatte Angie laufend Würmer und Kokzidien. Wir sind mittlerweile schon Profis am Erkennen eines Wurm- oder Kokzidienbefalls. 😉

Da dieser endlose Kreislauf endlich durchbrochen werden musste und auch das Gassigehen mit Angie alles andere als Freude machte, holten wir uns Rat bei der Hundetrainerin Ulrike Seumel. Mit den Tipps von ihr brachten wir das Problem in den Griff und wir wissen nun woran es liegt und was wir dagegen tun können.

Weiter geht’s in den nächsten Tagen mit Teil 2…

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6 Antworten

  1. Finnipeani sagt:

    Hallo!

    So ging es und auch, trotz vielen Menschenkontakt mag Finnuel keine Fremden, aber mittlerweile ist es OK.

    Der Clicker ist für uns Goldwert und wird von meinem Großen geliebt,
    Ich weiß gar nicht mehr wie wir ohne konnten 🙂

    LG Aleks mit den Zwergen

  2. Dani sagt:

    Huhu 🙂

    Dein Resümeé ist wirklich klasse, ich habs mir gerne durchgelesen und freue mich schon auf Teil 2. Darf ich fragen welche Bücher du gelesen hast?

    lg
    Dani mit Inuki und Ghandi

    • Maja sagt:

      Hallo,
      welche Bücher das genau waren kann ich leider nicht mehr sagen. Ist ja schon 1 Jahr her. 😉 Ich kann aber noch mal in meinen Unterlagen schauen, vielleicht finde ich noch die Rechnung.
      Liebe Grüße,
      Maja

  1. 21. Juni 2012

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