Hund macht sich steif und stemmt sich in die Leine – was kann man tun?

Heute hatte ich mal wieder ein AHA-Erlebnis. Angie neigt dazu sich bei leckeren, versteckten Haufen ihrer Artgenossen in die Leine zu stemmen, weil sie gern dahin möchte um diese zu „kosten“. Das sind so die Momente wo Angie richtig Druck in der Leine macht. Eine weitere Situation ist wenn sie zu einem bekannten Hund hin will. In diesen Momenten hört sie auch auf kein „Weiter“ oder keine Umlenkversuche mittels Handtouch. Der Hund ist mehr oder weniger stark erregt und konzentriert sich auf den Auslöser der Erregung. Wohlgemerkt bockt der Hund da nicht oder ist stur – er kann einfach nicht anders.

Was macht man in dem Fall?

„Entspannen!“ wird man bei jemandem denken, der aufgeregt ist und Aufgaben nicht mehr vernünftig gelöst bekommt. In der Hundeerziehung ist das aber leider anders. Oft wird dann am Hund gezogen. Das haben wir auch gemacht (was sich aber, sofern möglich, ändern wird). Das Ergebnis ist, dass der Hund sich stark dagegen stemmt und man ziemlich viel Kraft braucht. Hat der Hund ein Halsband würde er auch noch würgen, weil er keine Luft bekommt. Das Problem „ziehen“ wird um so schlimmer für Hund und Halter um so stärker und größer der Hund ist. Hinten raus entsteht in jedem Falle Stress bei Hund und Halter und Stress will man vermeiden, weil das ein Grund ist sich über sein Tier zu ärgern.
Das muss nicht sein. In solchen Fällen kann man mit konditionierter Entspannung dafür sorgen, dass der Hund sich kurzzeitig ganz leicht entspannt und ansprechbar wird.

Was ist konditionierte Entspannung?

Konditionierte Entspannung ist der Gegenspieler zur Aufregung und Angespanntheit. Jeder weiß wie man seinen Hund schnell aufregt und in manchen Hundesportarten wird aufregen angeblich auch konditioniert. Das geht auch andersherum. Kurz gesagt wird mit der konditionierten Entspannung auf ein Signal hin der Hund entspannt. Das Signal löst meines Wissens die Ausschüttung von Oxytocin aus. Das entspannt leicht die Muskeln und den ganzen Hund bzw. reduziert kurzzeitig die Aufregung.

Wie kann man Entspannung konditionieren?

Die Entspannung konditionieren ist denkbar einfach. In Momenten wo der Hund sich entspannt (im Hundebett kurz vorm Einschlafen, liegend auf dem Fußboden vor sich hin dösend etc) wird einfach das Signalwort gesäuselt – bei uns ist es „Eaaaassssyyyyyy“.
Hier sei mal auf folgende Artikel verwiesen:  „Daily Dogs – Entspannung – Grundlagen, Aufbau & Konditionierung (Artikelserie)„, „Cavecani – Konditionierte Entspannung im Hundetraining“ und FrauHund hat dazu auch was geschrieben und eine kleine Präsentation .

In diesen Artikeln wird detailiert beschrieben wie es geht, warum wieso und überhaupt – Videos gibt es auch.

Ich habe mal irgendwo gelesen, dass das Signal nach ca. 30-40 Wiederholungen genutzt werden kann. Da das Entspannungssignal sogut wie immer in Situationen genutzt wird, in denen der Hund sehr erregt ist, muss es auch regelmäßig wieder „aufgeladen“ werden, ansonsten wird das Entspannungssignal mit der Zeit ein Signal um sich aufzuregen.

Und bei Angie?

Wie oben schon beschrieben schaltet Angie manchmal ab und sie macht richtig Druck in der Leine oder wendet sich z.B. von einem anderen Hund nicht mehr ab. Da wir vor ein paar Wochen angefangen haben das Entspannungsignal zu konditionieren können wir das jetzt schon einsetzen und müssen aber noch lernen es auch wirklich zu nutzen. Heute war mal Gelegenheit zum Experiment. Angie zog mal wieder wie ein Ochse den Pflug um an einen, irgendwo im Laub verstecken, Hundehaufen (oder Wildkot … wollte da nicht auf die Suche gehen) zu kommen. Ich habe dann ein „Eeeeaaaasssssyyyy“ gesäuselt und nach 2 Sekunden war die Leine locker und Angie konnte ein Handtouch machen. Das gleiche hatten wir dann später noch einmal wiederholt und es klappte wieder.

Wir sind begeistert, weil das einige Türen im Training öffnet, die sonst fest verschlossen waren. Man kommt wieder an den Hund ran wenn man den Eindruck hat, dass Angie komplett abgeschaltet hat. Jetzt muss es uns nur noch gelingen, daran zu denken, welches Werkzeug man im Werkzeugkasten des Hundetrainings hat. 😉 Ich würde mir wünschen, solche wertvollen Techniken würden mehr in der Hundeerziehung eingesetzt. Beim Auto nutzt man ja auch das Gaspedal und die Bremse.

Hier noch ein beeindruckendes Video von Frau Hund Sheila und Martina:

Ein Video von uns wird auch noch nach gereicht. Bitte etwas Geduld.

[Edit] Link zu Akte Wuff entfernt

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